Über uns

Daniela Becker

Während unser Sohn Balduin auf der Kinder-Intenstivstation lag, die Prognosen der Ärzte aber noch durchweg positiv waren, entschlossen wir uns, einen Baby-Erste-Hilfe-Kurs bei der „Kinderfee Hamburg“ zu besuchen. Wir wollten gut vorbereitet sein für die Zeit, wenn Balduin nach Hause kommt. Nach diesem sehr professionellen Seminar wurde schnell klar, dass wir hier die perfekte Person für viel schwierigere Fragestellungen gefunden hatten.  Sie begleitete uns in den kommenden Wochen, die Balduin noch lebte. Letztlich entstand dann aus dieser Begleitung und der Abschiedssituation im Krankenhaus Balduins Box.

Das Sterben eines Kindes ist schwer zu verstehen. Am Anfang des Lebens eines Kindes, das mit Liebe erwartet wird, ist dieser Schmerz unvorstellbar. Der betroffenen Familie bleibt nichts anderes übrig, als sich dieser Situation zu fügen. An einem Ort, wo Menschen geheilt werden und Hoffnungen entstehen, sollen nun alle medizinischen Möglichkeiten liegengelassen werden. Das ist schwer. Die sterile Umgebung gibt nicht jedem Gefühl Raum.

Die kurze Zeit, die bleibt, um Abschied zu nehmen, ist entscheidend für den weiteren Trauerweg der Familie, der Angehörigen. Der wohl schwierigste Weg voller Hilflosigkeit und unvorstellbarem Schmerz bedarf Begleitung und Unterstützung, mit Liebe und Respekt.

Erfahrungsbericht einer Intensivschwester:
Während meiner Ausbildung begann ich meinen Frühdienst. Die Schwester aus der Nachtschicht sah mitgenommen aus und Zimmer 3 war verdunkelt.
Ich erkannte die Eltern vor dem Bettchen ihres Kindes. Fast reglos, bis in den Vormittag hinein saßen sie da und schauten abwechselnd auf den Monitor und ihr kleines Mädchen. Der Gedanke, in das Zimmer zu gehen, den Vorhang zu öffnen, um den Sonnenstrahl auf die Familie scheinen zu lassen, das Kind in die Arme der Eltern zu legen und einfach nur da zu sein, tanzte durch meinen Kopf. Im Nachhinein betrachtet, hätte es von Seiten der Klink auch höchstens zwei ernste Gespräche gegeben und eine Verwarnung. Aber ich schaute hilflos und traurig zu, wie die zuständige Schwester die Herz- und Atemfrequenz dokumentierte. Gegen Mittag starb das Mädchen.

Mit den heutigen Erfahrungen und einer Balduins Box hätte man die Stunden des Vormittags für das Kind und die Eltern anders gestalten können: Ich könnte den Eltern die schön bemalte Box geben und meine Hilfe anbieten. In der Box ist eine liebevoll erstellte Broschüre mit Texten, Gebeten und Liedern. Vielleicht ist der Mama kein Lied eingefallen und sie freut sich, ihrer Tochter jetzt vorsingen zu können, um dem Kind mit vertrauter Stimme ein Gefühl der Fürsorge zu geben.
ETWAS TUN. Ganz wichtig!

Der Papa malt vielleicht Lieblingsblumen des Kindes auf das Glas mit dem Licht und stellt es zu dem Engel aus der Box, als die Großeltern kommen. Während der Begrüßung besorge ich Nüsse und Tee, weil der Energieverlust hoch ist und die Eltern sicherlich nicht an Essen gedacht haben. Die Knöchel der Hände sind weiß, so fest drücken sie den Rosenquarz, der nicht zerbricht. Kleine Details, die helfen können, nicht völlig die Orientierung zu verlieren.

In Gesprächen mit betroffenen Familien wird sehr deutlich, wie entscheidend und prägend diese Zeit des Abschiednehmens ist. Hier wird das Fundament für den Trauerweg gelegt, der entscheidend für das ganze weitere Leben der Familie und Geschwisterkinder ist. Die Trennungsrate bei Eltern, die ein Kind verloren haben, zeigt ganz deutlich, wie entscheidend der Beginn eines Trauerprozesses und die Unterstützung für diese Familien sind. Für die weiteren Kinder in der trauernden Familie sind der Umgang und die Verarbeitung der Eltern mit dieser Erfahrung entscheidend für den weiteren Lebensweg.